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Mentale Gesundheit: Wo Liechtenstein bei jungen Menschen genauer hinschauen muss

Autorenbild: Andreas Krättli
Andreas Krättli
vor 11 Minuten
5 Min. Lesezeit

Rund 80 Menschen aus unterschiedlichen Generationen und Berufsgruppen diskutierten in Eschen über die psychische Gesundheit Jugendlicher. Dabei wurde deutlich: Nicht allein Social Media ist entscheidend. Auch Leistungsdruck, familiäre Belastungen und der Zugang zu Hilfe beschäftigen Liechtenstein.


Die Podiumsdiskussion vom 19. Oktober 2026 im Gemeindesaal Eschen, organisiert vom Verein SonnenStern und moderiert von Andreas Krättli (podcasthus.li). Im Video ist das vollständige Gespräch zu sehen.

Wie können Jugendliche in Liechtenstein rechtzeitig Unterstützung erhalten, wenn sie psychisch belastet sind? Diese Frage zog sich durch einen gut besuchten Veranstaltungsabend am 19. Oktober im Gemeindesaal Eschen.


Mentale Gesundheit im digitalen Zeitalter: Der Fachvortrag von Dr. Sarah Genner eröffnete die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Belastungen junger Menschen.  Foto: Jürgen Posch
Mentale Gesundheit im digitalen Zeitalter: Der Fachvortrag von Dr. Sarah Genner eröffnete die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Belastungen junger Menschen.  Foto: Jürgen Posch

Rund 80 Interessierte, darunter jüngere und ältere Menschen sowie Angehörige verschiedener Berufsgruppen, verfolgten den Fachvortrag und die anschliessende Podiumsdiskussion. Organisiert wurde der Anlass vom Verein SonnenStern.


Unterschiedliche Erfahrungen und Fachperspektiven trafen bei der Podiumsdiskussion zur psychischen Gesundheit Jugendlicher aufeinander. Von links: Matthias Brüstle, Präsident des Berufsverbands der Psychologinnen und Psychologen Liechtensteins, Helen Konzett, Ombudsfrau für Kinder und Jugendliche, Ulrike Hoop, Präsidentin des Vereins SonnenStern, Jonas Grünenfelder, Sänger der Band Fate of Faith, und Moderator Andreas Krättli von podcasthus.li. Foto: Jürgen Posch
Unterschiedliche Erfahrungen und Fachperspektiven trafen bei der Podiumsdiskussion zur psychischen Gesundheit Jugendlicher aufeinander. Von links: Matthias Brüstle, Präsident des Berufsverbands der Psychologinnen und Psychologen Liechtensteins, Helen Konzett, Ombudsfrau für Kinder und Jugendliche, Ulrike Hoop, Präsidentin des Vereins SonnenStern, Jonas Grünenfelder, Sänger der Band Fate of Faith, und Moderator Andreas Krättli von podcasthus.li. Foto: Jürgen Posch


Social Media ist nicht die einzige Erklärung


Digitalexpertin Dr. Sarah Genner warnte in ihrem Fachvortrag vor einfachen Erklärungen. Schule, berufliche Zukunft und Leistungsdruck gehören zu den wesentlichen Stressfaktoren junger Menschen. Digitale Medien können zusätzlich belasten, bieten aber auch Informationen, Austausch und Unterstützung.

Aufmerksame Zuhörerinnen und Zuhörer: Rund 80 Menschen verschiedener Generationen besuchten den Veranstaltungsabend in Eschen. Foto: Jürgen Posch
Aufmerksame Zuhörerinnen und Zuhörer: Rund 80 Menschen verschiedener Generationen besuchten den Veranstaltungsabend in Eschen. Foto: Jürgen Posch

Genner machte auf einen wichtigen Unterschied aufmerksam: Ein Zusammenhang zwischen intensiver Social-Media-Nutzung und psychischen Beschwerden beweist noch nicht, dass das eine die Ursache des anderen ist.

Die Beteiligten des Veranstaltungsabends zur psychischen Gesundheit Jugendlicher im Gemeindesaal Eschen. Von links: Jonas Grünenfelder, Sänger der Band Fate of Faith, Helen Konzett, Ombudsfrau für Kinder und Jugendliche, Ulrike Hoop, Präsidentin des Vereins SonnenStern, Digitalexpertin Dr. Sarah Genner, Moderator Andreas Krättli von podcasthus.li und Matthias Brüstle, Präsident des Berufsverbands der Psychologinnen und Psychologen Liechtensteins. Foto: Jürgen Posch
Die Beteiligten des Veranstaltungsabends zur psychischen Gesundheit Jugendlicher im Gemeindesaal Eschen. Von links: Jonas Grünenfelder, Sänger der Band Fate of Faith, Helen Konzett, Ombudsfrau für Kinder und Jugendliche, Ulrike Hoop, Präsidentin des Vereins SonnenStern, Digitalexpertin Dr. Sarah Genner, Moderator Andreas Krättli von podcasthus.li und Matthias Brüstle, Präsident des Berufsverbands der Psychologinnen und Psychologen Liechtensteins. Foto: Jürgen Posch

Statt ausschliesslich über Bildschirmzeiten zu sprechen, rückte sie Selbstwirksamkeit, persönliche Lebensziele und soziale Beziehungen in den Vordergrund. Es geht auch darum, ob Jugendliche das Gefühl haben, ihr Leben mitgestalten und Herausforderungen bewältigen zu können.


Was passiert, wenn Jugendliche Hilfe brauchen?


In der von Andreas Krättli für podcasthus.li moderierten Podiumsdiskussion wurde diese Frage aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet.



Jonas Grünenfelder, Sänger der Schweizer Band Fate of Faith, sprach offen über seine eigenen Therapieerfahrungen. Er zeigte damit, wie wichtig es sein kann, persönliche Krisen anzusprechen und professionelle Unterstützung anzunehmen.


Jonas Grünenfelder (links), Sänger der Schweizer Band Fate of Faith, erzählte offen und bewegend von seinen Songs, den persönlichen Erfahrungen dahinter und seinem Umgang mit psychischen Belastungen. Rechts Moderator Andreas Krättli von podcasthus.li, der durch die Podiumsdiskussion führte. Foto: Jürgen Posch
Jonas Grünenfelder (links), Sänger der Schweizer Band Fate of Faith, erzählte offen und bewegend von seinen Songs, den persönlichen Erfahrungen dahinter und seinem Umgang mit psychischen Belastungen. Rechts Moderator Andreas Krättli von podcasthus.li, der durch die Podiumsdiskussion führte. Foto: Jürgen Posch

Matthias Brüstle, Präsident des Berufsverbands der Psychologinnen und Psychologen Liechtensteins, thematisierte familiäre Belastungen und die Verantwortung der Erwachsenen. Helen Konzett, Ombudsfrau für Kinder und Jugendliche, brachte die Perspektive der Kinderrechte ein. Dabei ging es auch um Cybermobbing und die Frage, wie junge Menschen Zugang zu Unterstützung finden.


Für Liechtenstein ist das eine konkrete gesellschaftliche Aufgabe: Hilfsangebote müssen nicht nur vorhanden, sondern für Jugendliche und ihre Familien verständlich und frühzeitig erreichbar sein.


Helen Konzett (Mitte), Ombudsfrau für Kinder und Jugendliche in Liechtenstein, sprach über die Herausforderungen junger Menschen, Cybermobbing und den Zugang zu Unterstützung. Links Matthias Brüstle, Präsident des Berufsverbands der Psychologinnen und Psychologen Liechtensteins. Foto: Jürgen Posch
Helen Konzett (Mitte), Ombudsfrau für Kinder und Jugendliche in Liechtenstein, sprach über die Herausforderungen junger Menschen, Cybermobbing und den Zugang zu Unterstützung. Links Matthias Brüstle, Präsident des Berufsverbands der Psychologinnen und Psychologen Liechtensteins. Foto: Jürgen Posch

Prävention beginnt vor der Krise


Diesen Gedanken unterstrich auch Ulrike Hoop, Präsidentin des Vereins SonnenStern. Ihr Anliegen ist, früher hinzuschauen, miteinander zu sprechen und Unterstützung zugänglich zu machen, bevor Belastungen zu schweren Krisen werden.


Ulrike Hoop, Präsidentin des Vereins SonnenStern, machte am Rednerpult deutlich, wie wichtig frühzeitige Prävention und ein offener Umgang mit psychischer Gesundheit sind. Ihr zentrales Anliegen: Jugendlichen zuhören, Belastungen ernst nehmen und Unterstützung anbieten, bevor aus Sorgen schwere Krisen werden. Foto: Jürgen Posch
Ulrike Hoop, Präsidentin des Vereins SonnenStern, machte am Rednerpult deutlich, wie wichtig frühzeitige Prävention und ein offener Umgang mit psychischer Gesundheit sind. Ihr zentrales Anliegen: Jugendlichen zuhören, Belastungen ernst nehmen und Unterstützung anbieten, bevor aus Sorgen schwere Krisen werden. Foto: Jürgen Posch

Mit ihrer Bilderausstellung «Zwischen Bildschirm und Innenwelt» griff Hoop Themen wie Selbstbild, digitale Reizüberflutung und persönliche Neuanfänge auch künstlerisch auf.


Der Abend zeigte, wie viele Bereiche in Liechtenstein bei der psychischen Gesundheit junger Menschen zusammenwirken: Familien, Schulen, Gesundheitswesen, Vereine und öffentliche Institutionen.


Aufmerksames Publikum im Gemeindesaal Eschen: Rund 80 Interessierte verschiedener Generationen verfolgten den Fachvortrag und die Podiumsdiskussion über die psychische Gesundheit Jugendlicher. Der Abend bot Denkanstösse und Raum für einen offenen Austausch über ein Thema, das viele Menschen bewegt. Foto: Jürgen Posch
Aufmerksames Publikum im Gemeindesaal Eschen: Rund 80 Interessierte verschiedener Generationen verfolgten den Fachvortrag und die Podiumsdiskussion über die psychische Gesundheit Jugendlicher. Der Abend bot Denkanstösse und Raum für einen offenen Austausch über ein Thema, das viele Menschen bewegt. Foto: Jürgen Posch

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht nur, wie lange Jugendliche am Smartphone sind. Sondern auch, ob sie jemanden haben, der zuhört, ihre Schwierigkeiten ernst nimmt und ihnen den Weg zu Unterstützung erleichtert.



«Bin ich gut genug?» Filmprojekt bewegt das Publikum


Einen besonderen Moment erlebte das Publikum, als Fabian Reuteler und Juliana Beck vom Verein Impact ihr Dokumentarfilmprojekt «wohl?habend» vorstellten. Der gezeigte Teaser bewegte und begeisterte. Im Film sprechen Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 13 und 25 Jahren offen über Leistungsdruck, mentale Gesundheit und eine Frage, die viele beschäftigt: «Bin ich gut genug?»


Ein bewegendes Gespräch über Leistungsdruck, Selbstzweifel und die psychische Gesundheit junger Menschen: Juliana Beck (links) und Fabian Reuteler (Mitte) vom Verein Impact gaben Einblicke in ihren Dokumentarfilm «wohl?habend» und die persönlichen Geschichten der Jugendlichen. Moderator Andreas Krättli (rechts) von podcasthus.li führte durch den Talk, der auch die Frage aufwarf: «Bin ich gut genug?»  Foto: Jürgen Posch
Ein bewegendes Gespräch über Leistungsdruck, Selbstzweifel und die psychische Gesundheit junger Menschen: Juliana Beck (links) und Fabian Reuteler (Mitte) vom Verein Impact gaben Einblicke in ihren Dokumentarfilm «wohl?habend» und die persönlichen Geschichten der Jugendlichen. Moderator Andreas Krättli (rechts) von podcasthus.li führte durch den Talk, der auch die Frage aufwarf: «Bin ich gut genug?» Foto: Jürgen Posch

Das Projekt gehörte zu den Gewinnern des Ideenkanals beim Ideencamp #38 im Juni 2026 in Vaduz. Die Filmschaffenden berichteten in Eschen von ihren Erfahrungen und zeigten, wie stark junge Menschen unter Erwartungen stehen können.


Neben den schwierigen Seiten ging es auch um einen positiven Blick auf den Alltag. Besonders in Erinnerung blieb die Anregung, sich jeden Abend zu fragen: «Welche drei Dinge haben mir heute gut gefallen?» Ein Gedanke, der beim anschliessenden Apéro weiterlebte. Gäste tauschten sich darüber aus, wie wertvoll der offene Umgang mit psychischer Gesundheit an diesem Abend war.



Auf podcasthus.li geht die Geschichte weiter: Als Medienpartner des Vereins SonnenStern begleitet das Portal den Anlass. Fabian Reuteler und Juliana Beck werden zudem demnächst im Format «Ideenkanal persönlich» zu Gast sein. Dort stellt podcasthus.li Gewinnerprojekte des Ideenkanals vor. Im ausführlichen Videopodcast sprechen die beiden über «wohl?habend», ihre Erfahrungen und die Entstehung des Films. Auch ein Einblick in den Teaser ist geplant.


Gespräche, die beim Apéro weitergingen


Auch nach dem offiziellen Programm war der Abend noch lange nicht zu Ende. Beim anschliessenden Apéro wurde intensiv und tiefgründig weiterdiskutiert. Die Gäste tauschten persönliche Erfahrungen aus, sprachen über die Herausforderungen junger Menschen und darüber, was jeder Einzelne zu einem offenen Umgang mit psychischer Gesundheit beitragen kann. Neben den ernsten Themen hatten auch Zuversicht und positive Gedanken ihren Platz. Besonders die Frage «Welche drei Dinge haben mir heute gut gefallen?» regte zum Nachdenken an. So klang der Abend in Eschen mit vielen persönlichen Begegnungen und Gesprächen aus, die zeigten, wie wertvoll es ist, einander zuzuhören und offen über psychische Gesundheit zu sprechen.





 
 
 

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