«Wenn Tradition nicht stehen bleibt, sondern weiterlebt»

The Peps und Fabrizio Rotunno bei «Musik aus Liechtenstein»
Es gibt Musik, die uns begleitet. Musik, die Erinnerungen weckt. Und dann gibt es Musik, die etwas noch viel Wertvolleres schafft: Sie verbindet Vergangenheit und Gegenwart.
Genau dieses Gefühl nehme ich aus der Begegnung mit The Peps und Fabrizio Rotunno im Podcast «Musik aus Liechtenstein» von Andreas Krättli mit.
Am 28. August 2026 trafen im Torkel 3 in der Alten Sennerei in Triesen unterschiedliche musikalische Generationen und unterschiedliche Zugänge zur Musik aufeinander. Und genau darin lag für mich der Reiz dieser Begegnung.

Tradition darf sich verändern
Tradition bedeutet für mich nicht, etwas in eine Schublade zu legen und darauf aufzupassen, dass es sich nie verändert. Tradition lebt erst dann wirklich, wenn Menschen bereit sind, sie mitzunehmen, weiterzugeben und ihr vielleicht sogar einen neuen Klang zu schenken.
Und genau hier kommen The Peps ins Spiel.
Sängerin Rahel Oehri-Malin, Mark B. Lay und Stefan Frommelt beschäftigen sich mit traditioneller Liechtensteiner Volksmusik. Alte Lieder werden dabei nicht einfach möglichst originalgetreu nachgespielt. Stücke aus der Sammlung der Pepi-Frommelt-Stiftung werden aufgenommen, neu gedacht und in einen modernen Popsound übertragen.
Ich finde genau diesen Gedanken schön. Denn dadurch verliert die Musik ihre Wurzeln nicht. Im Gegenteil.
Die Wurzeln bleiben. Aber daraus darf etwas Neues wachsen.
Vielleicht ist genau das eine wichtige Aufgabe von Musik. Nicht nur zurückzuschauen, sondern etwas aus der Vergangenheit mitzunehmen und dafür zu sorgen, dass es auch morgen noch gehört wird.
«Do khör i hi» und ein Stück Liechtenstein
Rahel Oehri-Malin steht für mich ebenfalls für diese Verbindung zwischen musikalischer Tradition und Gegenwart.
2019 gewann sie mit ihrem Lied «Do khör i hi» die Wahl zum Liechtenstein-Song. 58,9 Prozent der Stimmen entfielen auf ihren Beitrag. Die Wahl fand im Jubiläumsjahr «300 Jahre Fürstentum Liechtenstein» statt. «Do khör i hi» wurde zum Liechtenstein-Song dieses Jubiläumsjahres und auch im Rahmen der Feierlichkeiten am Staatsfeiertag präsentiert.

Für mich passt das gut zu dem Gedanken, der auch bei The Peps spürbar wird: Musik aus Liechtenstein muss nicht nur zurückschauen. Sie darf von heute erzählen und trotzdem etwas über Herkunft, Heimat und Zugehörigkeit vermitteln.
Eine jüngere Generation am gleichen Tisch
Mit Fabrizio Rotunno kommt eine weitere und jüngere musikalische Perspektive hinzu.

Er gehört zu einer jüngeren Generation der Liechtensteiner Blasmusik, und ist unter anderem beim Pepis Folksfäscht mit seiner Musikgruppe FL7 Brass an der Tuba zu hören.
Damit treffen musikalische Welten aufeinander, die eigentlich gar nicht so weit auseinanderliegen.
Auf der einen Seite stehen traditionelle Liechtensteiner Volkslieder, denen The Peps einen modernen Popsound geben. Auf der anderen Seite steht ein junger Musiker, der mit Blasmusik und Tuba eine andere Form musikalischer Tradition lebt.
Und irgendwo dazwischen entsteht etwas, das ich persönlich unglaublich wichtig finde: Austausch.
Nicht die Frage: Wer macht es richtig?

Sondern: Was können wir voneinander mitnehmen?
Was können erfahrene Musikerinnen und Musiker einer jüngeren Generation weitergeben? Und was bringt eine jüngere Generation mit, damit Musik nicht irgendwann nur noch Erinnerung ist?
Dieser Gedanke gehört auch zum Konzept von «Musik aus Liechtenstein». Musikerinnen und Musiker verschiedener Generationen kommen miteinander ins Gespräch. Es geht um ihre musikalischen Wege, ihre Erfahrungen und um die Frage, wie Musik in Liechtenstein weitergegeben und weiterentwickelt werden kann.
Und das gefällt mir. Sehr sogar.
Musik erzählt Geschichten
Denn Musik war für mich noch nie einfach eine Aneinanderreihung von Tönen.
Musik erzählt Geschichten.
Sie erzählt von Menschen. Von Orten. Von Erinnerungen. Von Heimat.

Manche dieser Geschichten haben lange vor uns begonnen. Damit sie nicht verstummen, braucht es Menschen, die sie weitererzählen.
Vielleicht mit anderen Instrumenten. Vielleicht mit einem anderen Rhythmus. Vielleicht in einem völlig neuen Klangbild. Aber immer mit Respekt vor dem, was vorher war.
Das Projekt von The Peps zeigt für mich genau das.
Ein altes Lied muss nicht alt klingen. Und moderne Musik muss ihre Herkunft nicht verleugnen. Beides kann nebeneinander bestehen.
Noch schöner: Beides kann sich gegenseitig bereichern.
Wenn dann verschiedene Generationen am gleichen Tisch sitzen, miteinander reden, einander zuhören und gemeinsam Musik erleben, passiert etwas, das vielleicht grösser ist als eine einzelne Podcastfolge.
Dann wird Kultur tatsächlich weitergegeben. Von Mensch zu Mensch. Von Generation zu Generation.

Menschen hinter der Musik
«Musik aus Liechtenstein» schafft einen Raum für solche Begegnungen. Im Mittelpunkt stehen nicht nur Lieder, Instrumente und musikalische Stilrichtungen. Es geht um die Menschen hinter der Musik, ihre Wege und um das, was unterschiedliche Generationen miteinander verbindet.
Die von podcasthaus.li produzierte Reihe dokumentiert damit auch einen Teil des Musikschaffens in Liechtenstein und bringt Musikerinnen und Musiker aus dem Land miteinander ins Gespräch. «Musik aus Liechtenstein» wird von der Kulturstiftung Liechtenstein gefördert.

Für mich bleibt nach dieser Begegnung vor allem ein Gedanke:
Wir müssen Tradition nicht konservieren. Wir müssen sie leben.
Denn nur das, was gelebt wird, kann weitergegeben werden.
Und manchmal braucht es dafür eben eine Stimme, ein Keyboard, moderne Arrangements oder ganz einfach eine Tuba.
Was zählt, ist das Herz dahinter.
Und die Liebe zur Musik.
Autor und Fotograf: Otto Conrad



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